Unser Bus wird renoviert

Unser Bus wird renoviert

Seit über zehn Jahren ist er ein festes Familienmitglied: Unser VW-Bus. Nach dieser langen Zeit hatte er es sich redlich verdient, mal etwas mehr Zuwendung zu bekommen als unsere „Hauptsache fahrbereit“-Pflege. Deshalb haben wir ihn innen und außen fast komplett erneuert.
Der Zustand gab langsam Anlass zur Sorge:

Zunächst musste die alte Innenausstattung trotz aller wunderschönen Erinnerung weichen. Zu groß war unsere Sorge, was sich so alles an Rost unter der Verkleidung verbergen könnte. Letzten Juni fingen wir also an, alles rauszureißen, denn der Vorbesitzer hatte vieles so verklebt, sodass es sich jetzt nicht vorsichtig entfernen ließ. Da wir wirklich alles neu machen wollten und auch irgendwie anders, verzichteten wir darauf, die alten Verkleidungen aufzubewahren und als Muster für die neuen zu verwenden: Ein schlimmer Fehler, der uns jetzt – ein Jahr später – zig Stunden an Mehrarbeit beim Einpassen kostet.
Nachdem alles unten war, wurde klar, dass der Bus doch viel weniger verrostet war, als wir befürchtet hatten. Es gab eigentlich gar keine Durchrostungen, sondern nur oberflächlichen Rost. Ein Glück! Der Bus war entkernt und der Lackierer konnte mit dem Abschleifen loslegen. Danach wurde grundiert und schließlich auch lackiert – wieder in unserem geliebten lianengrün.

Neue Lackierung, neues Innenleben:

Schwieriger war der Austausch der Fenster: Durch einen schlimmen Hagel vor ein paar Jahren waren die Camping-Kunststoff-Fenster gebrochen und mussten raus. Unser Traum waren immer Lamellen-Fenster gewesen und wir hatten großes Glück, diese seltenen Exemplare für den T3 gebraucht zu finden. Leider spielte die Karosse nicht so mit: Da der Vorbesitzer den Bus wohl von der Variante ohne Fenster hinten, dafür aber zwei Schiebetüren, in einen Campingbus umgebaut hatte, passten die Fenster nicht einfach so Plug’n’Play. Es war ein ganz schönes Gefummel, die Fenster einzupassen und zu befestigen. Das Ergebnis ist vielleicht für Puristen nicht perfekt, aber uns gefällt es sehr gut!

Danach passierte eine ganze Weile erst mal nichts mehr: Der Winter kam und andere Projekte rückten mehr in den Fokus. Die Zeit war aber auch wichtig, um uns zu überlegen, wie das Innenleben unseres Busses aussehen sollte: Wollten wir die alte Küche „Eigenbau“ wieder einbauen oder hoffen, eine gut erhaltene Westfalia-Küche zu erstehen? Oder doch einen ganz neuen Bausatz von Reimo bestellen? Welche Schränke brauchen wir überhaupt? Oder reicht uns sogar nur ein tragbarer Gaskocher und eine Kühlbox?  Wie soll die Innenverkleidung aussehen? Welche Materialien möchten wir im Bus haben?

Nach einigem Hin und Her haben wir uns für eine Westfalia-Küche entschieden. Ein wenig Lehrgeld haben wir auch dabei bezahlt: Wir werden nie wieder ein so teueren Kauf in einer schlecht ausgeleuchteten Tiefgarage durchführen. Zuhause angekommen offenbarten sich nämlich noch einige bis dahin unentdeckte Macken, die Schublade stellte sich als Nachbau heraus und der Wasserhahn fehlte auch. Mit den Reparaturen wäre so auch fast eine neue Reimo-Küche preislich drin gewesen. Fast wollten wir die Westfalia wieder verkaufen, als plötzlich ein Nachbar am Bus stand und meinte: „Ach, von dem Furnier habe ich auch noch ein paar Möbel zuhause stehen, die schenke ich euch gerne!“ So hatte die Küche auch ihr Gutes – dachten wir zunächst.

 

Denn kurz vor dem Einbau fiel mir dann plötzlich auf, dass die Küche, die davor drin gewesen war, gespigelt aufgebaut war. Das heißt, der Platz der Gasflasche und des Kühlschranks war genau umgekehrt zur neuen Küche. Das vorgeschriebene Loch im Fahrzeugboden für die Entlüftung des Gasflaschenschranks war also an der falschen Stelle. Was nun? Das alte Loch zuschweißen und 20cm weiter rechts ein neues in die Karosserie flexen? Das war uns dann doch zu umständlich und aufwändig. „Vielleicht nächstes Jahr?“ Also wieder die alte Küche rein und sich damit abfinden, dass nicht alles läuft wie geplant.

 

Für die Innenverkleiedung haben wir uns letzlich für Kunstleder entschieden. Zwar gibt es schon fertige Sets von verkleideten Sperrholz-Zuschnitten, aber wir wollten das lieber selber machen. Ein Freund, Sattler-Azubi, wollte uns helfen – das war viel günstiger. Aber besonders der „Himmel“ des Hubdaches war eine echte Herausforderung beim Zuschneiden des Holzes. Beim Dach über dem Bett wollte hingegen der Kleber das Kunstleder ums Verrecken nicht halten – wohl wegen der großen Fläche! An vielen Tagen, die ich im Sommer nach Feierabend fluchend in der Werkstatt verbracht habe, schwor ich mir: nie wieder!!!!

 

Aber das Ergebnis entschädigt für Vieles. Man weiß, dass es nicht perfekt ist. Man muss sich von dem Wunsch verabschieden, dass der Bus nach der Restauration so aussieht wie vom professionellen Restaurateur. Hier stimmt das Spaltmaß zwischen den Verkleidungen nicht, da hat der Lackierer ein bisschen geschlampt. Viele Stunden Arbeit sind reingeflossen und trotzdem spannt sich der „Himmel“ nicht wie ab Werk über das Dach, trotzdem sitz die Verkleidung nicht überall perfekt. Aber man bekommt dafür noch mehr das Gefühl, dass das jetzt sein eigenes Auto ist – auch wenn es das eigentlich schon seit Jahren ist.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen